Geschichte der Buchhandlung Frauenzimmer
Meine Masterarbeit zur Geschichte der Buchhandlung Frauenzimmer in Wien, 1977–2007
Einige von euch kennen die Buchhandlung Frauenzimmer sicher noch. Vielleicht habt ihr euren ersten Lesbenroman dort gekauft oder seid auf neue feministische Theorie gestoßen. Vielleicht lest ihr noch die Rezensionszeitschrift WeiberDiwan, die ursprünglich hier entstand.
„Eine Glühlampe im Dunkel der patriarchalischen Finsternis“1
Die Buchhandlung Frauenzimmer wurde am 23. Mai 1977 in der Lange Gasse 11 im 8. Wiener Gemeindebezirk eröffnet und war bis zu ihrer Schließung 2007 die einzige Frauenbuchhandlung Österreichs. Gegründet von vier Aktivistinnen der Aktion Unabhängiger Frauen (AUF) – Erica Fischer, Ülküm Fürst, Brigitte Lehmann und Jane Wegscheider – wurde die Buchhandlung schon bald von einem Kollektiv übernommen. Die „Frauen des Frauenzimmers“ reagierten auf das fehlende Angebot an feministischer Literatur in Wien und schufen gleichzeitig eine Anlaufstelle für feministische Information und Beratung. 1996 löste sich das Kollektiv auf und Helga Widtmann führte die Buchhandlung bis 2007 weiter, ab 2000 in der Zieglergasse 28.
Ein Stück Wiener Frauenbewegungsgeschichte
In meinem Masterarbeitsprojekt zur Buchhandlung Frauenzimmer untersuche ich, wie feministische Wissensproduktion auf lokaler Ebene organisiert wurde. Ich möchte die Entwicklung der Buchhandlung nachzeichnen und zeigen, wie sie als langfristiges Projekt der Frauenbewegung organisiert war. Die Buchhandlung bot nicht nur feministische Beratung und Wissen, sondern war auch ein Emanzipationsprojekt für die beteiligten Frauen, die hier selbstbestimmte Erwerbsarbeit und Mitbestimmungsmöglichkeiten schufen.
An Archive of One’s Own
Im STICHWORT-Archiv stieß ich zunächst auf Literatur zur Bewegung der Frauenbuchläden, die in den 1970ern mit der Zweiten Frauenbewegung weltweit aufkamen – von den USA über Frankreich und Deutschland bis nach Österreich, wo das Frauenzimmer die einzige Frauenbuchhandlung blieb. Während meiner Recherchen hat die STICHWORT-Archivarin Nadja Gsaller eine Fülle von neu übergebenen Materialien aufgearbeitet, sodass ich mich nun auf zahlreiche Quellen stützen kann: Insgesamt 19 Archivboxen, unter anderem mit Selbstdarstellungen, Werbematerial, Geschäftsunterlagen und Korrespondenzen. Auch Zeitungsberichte, Interviews und ein ORF-Beitrag sind dort zu finden. Helga Widtmann, heute Bibliothekarin im STICHWORT, berichtete mir außerdem ausführlich über ihre Zeit im Frauenzimmer und stellte den Kontakt zu anderen Buchhandlungsfrauen her. Ich weiß es zu schätzen, meine Masterarbeit in einem so freundlichen Umfeld zu schreiben und dabei kompetente Unterstützung zu erfahren. Herzlichen Dank!
1 STICHWORT, G 12 (Buchhandlung Frauenzimmer), Mappe 2, Das Rätsel Weib oder Wer oder was ist das Frauenzimmer?, S. [1]
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